Schiff nach Norwegen

Skateboard-Skifahren

Thomas Uhrskov
16.08.2021

Nachdem man einige schicke Hotels im Hochgebirge besucht hat, ist es überraschend angenehm, zu den Basics zurückzukehren.

Als wir für den Skiurlaub gepackt haben, hörte ich mich etwas sagen, das ich noch nie im Zusammenhang mit Skifahren gesagt hatte: Anton, denk an dein Skateboard!

Wir waren auf dem Weg nach Vierli - einem der acht Skigebiete um Rauland in der norwegischen Telemark - und sollten in einer Hütte im Camp Vierli wohnen.

Bevor wir im Camp eincheckten, war ich überzeugt davon, dass man im Skiurlaub in Norwegen entweder in einer Hütte, einer Ferienwohnung oder einem Hotel wohnen musste.

Denn, eines sei gleich vorweggenommen: ich gehöre nicht gerade der Skater-Zielgruppe an:

Ich habe beim Essen keine Mütze auf. Ich verstecke meine Unterhosen am liebsten in meiner Hose. Ich habe nie gelernt, wie eine Playstation funktioniert. Und ich dachte, "Ollie" wäre ein anderes Ort für Opa. Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem ich Angebote für Senioren erhalte, also gehöre ich in ein richtiges Hotel oder eine gemütliche Hütte.

Aber dann auch wieder nicht! Denn im Skaterhotel Camp Vierli fühlte ich mich wirklich wie zu Hause. Und das, obwohl ich immer noch keine Mütze trage beim Essen und meine Versuche bei FIFA auf der Playstation mit 700 Einwürfen und keinem Tor endeten.

Was ist denn nun ein Skaterhotel, was ist Camp Vierli?

Man nehme: ein hotelähnliches Gebäude in Norwegen. Schmeißt alle Häkeldeckchen, Spitzengardinen, und den Schlitten aus dem Jahr 1812 raus. Nichts darf übrig bleiben - gar nichts! Anschließend streicht man Wände und Böden in hellen Farben, stellt einfache Tische und Stühle ins Restaurant und hängt Fotos von Skateboard-Moves und Snowboardkunststücken über den Tischen auf. Installiert große Flachbildschirme får eine handvoll Playstations und wirft ein Dutzend gigantische Sitzsäcke auf den Boden. Man sorge dafür, dass wo andere Hotels antike Holztruhen stehen hätten, Wi-Fi-Router ihren Platz finden. Zuletzt bauen Sie eine 800qm große Skateboardrampe und stellen Sie ein paar nette Dänen an, die den Laden schmeißen. Und fertig!

Nachdem man einige schicke Hotels im Hochgebirge besucht hat, ist es überraschend angenehm, zu den Basics zurückzukehren. Ein Bett, ein Zimmer und ein Gericht zum Abendessen. Schlichter geht es nicht. Und genau diese Schlichtheit sorgt für innere Ruhe und macht Lust darauf, Abends einfach im Bett zu liegen und zu lesen - genau so, wie es in einem richtigen Skiurlaub nach einem aufregenden Tag auf der Piste sein sollte. Danke, dass ihr uns daran erinnert habt, dass weniger manchmal einfach mehr ist!

Aber eigentlich waren wir ja gekommen, um Ski zu fahren, und im Gegensatz zu den Norwegern beginnen meine Familie und ich den Tag gerne früh. Wir standen daher bereit am Vierli Skicenter kurz nach 10 (ja, das gilt in Norwegen als früh). Wir waren beinahe alleine, obwohl die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr als Hochsaison gelten. Und dann erlebte ich wieder etwas, das ich nicht verstand:

Ich stand am Tellerlift, die Liftstange in der einen Hand und mit der Erwartung, dass der Lift losfuhr - nichts geschah. "Drück auf den Knopf, Schatz!", rief mir meine Frau freundlich zu. Aber als erfahrener Skiläufer dachte ich natürlich, der große rote Knopf neben mir würde den gesamten Lift anhalten. Ich blieb also stehen. Eine Minute später kam der Liftbetreiber aus seiner Hütte und drückte auf den Knopf, und schon zog es mich davon. Komisches System, fand ich, aber kurz darauf wurde mir klar, wieso diese Funktion sogar richtig durchdacht war:

Nachdem die ganze Familie sich ein wenig im Funpark ausgetobt hatte, der bereits vor einigen Jahren zum besten in ganz Norwegen gekürt worden war, sah mein 13-jähriger Sohn Anton die Go-Cart ähnlichen Schlitten.

"Die müssen wir probieren, oder nicht?", sagte er, und es klang mehr wie ein Befehl als eine Frage.

Jeder in einem Schlitten sitzend klickten wir den Tellerlift fest am Lenker und drückten auf den Knopf. Wenn man den Lift nicht erst durch Knopfdruck aktivieren müsste, hätte man keine Zeit, den Lift am Schlitten festzumachen.

Achso, ein sehr durchdachtes Konzept, dachte ich, drückte auf den Knopf und sauste den Berg hinauf. Das ging schnell, war aber nichts im Vergleich zum Weg hinab.

Obwohl die markierten Rodelpisten den Berg hinunter mit blauen Linien im Schnee gekennzeichnet waren, war es nur kaum mit einer blauen Skipiste zu vergleichen. Ich ließ die Bremse nur selten mehr als wenige Sekunden los, und trotzdem kamen wir schneller als die meisten Skifahrer unten an. Kann schon sein, dass ich ein wenig älter bin als die typische Zielgruppe, aber es war ein herrlicher Spaß, und wer würde sich nicht gerne noch einmal wie 13 fühlen?

Ich war totmüde, als wir am späten Nachmittag ins Camp zurückkehrten. Und ich bin mir sicher, dass die Müdigkeit nach einem langen Tag in den Bergen schuld daran war, dass ich am Abend schon wieder in FIFA verlor.